{"id":314,"date":"2008-11-01T14:29:33","date_gmt":"2008-11-01T14:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/mingtsao.net\/?p=314"},"modified":"2025-01-25T13:05:27","modified_gmt":"2025-01-25T13:05:27","slug":"uncover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mingtsao.net\/de\/uncover\/","title":{"rendered":"(Un)cover"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h1>2008<\/h1>\n<h4>Titel: <em>(Un)cover<\/em><br \/>\nInstrumentation: Trompete, Posaune, Gitarre, Klavier, Violoncello und Schlagzeug<br \/>\nJahr: 2008<br \/>\nDauer: ca. 9 Min.<br \/>\nUrauff\u00fchrung: Donaueschinger Musiktage 2008<br \/>\nInterpreten: Ensemble Ascolta<\/h4>\n<script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/ psTimeout[1]=5000;psAutoplay[1]=true;psTrans[1]='fade';psLoop[1]=true;psSpeed[1]=400;\/* ]]> *\/<\/script>\n\t\t<div id=\"slideshow-wrapper1\" class=\"slideshow-wrapper clearfix fluid\"><div id=\"slideshow-nav1\" class=\"slideshow-nav\"><a class=\"slideshow-prev\" href=\"javascript: void(0);\">Prev<\/a><span class=\"sep\">|<\/span><a class=\"slideshow-next\" href=\"javascript: void(0);\">Next<\/a><span class=\"slideshow-info1 slideshow-info\"><\/span><\/div><!-- .slideshow-nav-->\n\t<div id=\"portfolio-slideshow1\" class=\"portfolio-slideshow\">\n\t<div class=\"slideshow-next slideshow-content\">\n\t\t\t<a href=\"javascript: void(0);\" style=\"border-bottom:none\" class=\"slideshow-next\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"psp-active\" data-img=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-1.png\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-1.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 1\" \/><noscript><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-1.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 1\" \/><\/noscript><\/a><div class=\"slideshow-meta\"><div class=\"slideshow-description\"><p><em>(Un)cover<\/em> (Ming Tsao, Edition Peters, mm. 1\u20136)<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\t\t\t<div class=\"not-first slideshow-next slideshow-content\">\n\t\t\t<a href=\"javascript: void(0);\" style=\"border-bottom:none\" class=\"slideshow-next\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"psp-active\" data-img=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-2b.png\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/plugins\/portfolio-slideshow\/img\/tiny.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 2b\" \/><noscript><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-2b.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 2b\" \/><\/noscript><\/a><div class=\"slideshow-meta\"><div class=\"slideshow-description\"><p><em>Klaviersonate Op. 111<\/em> (Ludwig van Beethoven, 1821\u201322)<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\t\t\t<div class=\"not-first slideshow-next slideshow-content\">\n\t\t\t<a href=\"javascript: void(0);\" style=\"border-bottom:none\" class=\"slideshow-next\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"psp-active\" data-img=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-3.png\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/plugins\/portfolio-slideshow\/img\/tiny.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 3\" \/><noscript><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/Uncover-3.png\" height=\"677\" width=\"1000\" alt=\"(Un)cover 3\" \/><\/noscript><\/a><div class=\"slideshow-meta\"><div class=\"slideshow-description\"><p><em>(Un)cover<\/em> (Ming Tsao, Edition Peters, mm. 29\u201333)<\/p>\n<\/div><\/div><\/div>\n\t\t\t<\/div><!--#portfolio-slideshow--><\/div><!--#slideshow-wrapper-->\n<p><audio preload=\"none\" controls=\"controls\" controlsList=\"nodownload\" oncontextmenu=\"return false;\"><source src=\"http:\/\/mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/audio\/(Un)cover_excerpt.aiff\" type=\"audio\/aiff\" \/><source src=\"http:\/\/mingtsao.net\/wp-content\/uploads\/audio\/(Un)cover_excerpt.wav\" type=\"audio\/wav\" \/>Your browser does not support the audio element.<\/audio><br \/>\n<span class=\"slideshow-description\"><em>(Un)cover<\/em> (Auszug)<\/span><\/p>\n<p><em>Actioni contrariam et aequalem esse reactionem.<\/em> F\u00fcr jede Aktion gibt es eine gleichgerichtete und eine entgegengesetzte Reaktion. In <em>(Un)cover<\/em> scheint es hinter jeder positiven Aussage an der Oberfl\u00e4che etwas zu geben, das da wartet, in diesem besonderen Fall jedoch auf etwas Nichtvorhandenes wartet, das ein solches f\u00fcr immer bleiben mag. Um die Entleerung und Versenkung am Ende des Werkes zu verstehen, muss man zun\u00e4chst das Drama an der Oberfl\u00e4che studieren, sein Inspirationspotential und die ambivalente und eher widerspr\u00fcchliche Natur all jener Momente der Ruhe, die periodenhaft in dem St\u00fcck vorkommen. <\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass <em>Un(cover)<\/em> auf Beethovens Opus 111 zur\u00fcckgeht und zwar auf den 1. Satz, nicht auf den 2. Tsao versteht es in der Folge, den Bezug herzustellen zu dem eher monumentalen und maj\u00e4stetischen C-Dur-Charakter und das damit einhergehende Pathos wie die kantige Thetralik, die durch kraftvolle und interpunktierte Gesten nachgebildet wird. Beethovens transzendenter 2. Satz (die Arie und ihre Variationen) mit seinem vers\u00f6hnlichen und erl\u00f6sungsweisenden Gef\u00fchlsgehalt ist eben dieses Nichtvorhandene (es kommt nie), ein \u201eNiemals vorhanden sein d\u00fcrfen\u201c, dieses beinahe rastlose nerv\u00f6se Warten auf etwas, das in vielerlei Hinsicht auch \u201eniemals vorhanden erschien\u201c: etwas Vorangegangenes, dem nichts nachgefolgt ist. <em>Da alles schon gesagt ist, hat Opus 111 auch keinen dritten Satz.<\/em>\u00a0Und da das so ist, muss Tsao aussteigen, um es nicht noch einmal zu sagen. Es wird hier keine neuen Narben geben, die \u00fcber alten entstehen, keine Heilung der Geschichte in Bereichen, die bereits geheilt sind. Auch sei hier auf das ber\u00fchmte 8. Kapitel von Thomas Manns <em>Doktor Faustus<\/em> verwiesen (das dieser offenkundig mit der Hilfe Adornos schrieb). Der Grundgedanke dreht sich hier um die Beziehung zwischen \u201eSp\u00e4tstil\u201c und der Wiederbelebung von vergangener Musik (ein weiterer Grund, auf die alten Meister zu verweisen). Nachdem Tsao in fr\u00fcheren Werken eine eher entlegenere (und musikalisch negative, etwa mit Ger\u00e4uschen arbeitende) Sprache ausgekundschaftet hat, ist es denn auch kein Zufall, dass <em>(Un)cover<\/em> eine R\u00fcckkehr in die dramatischen Gefilde der Musik darstellt. Oft sind es nicht die gewagtesten Fragen, die das eigene Weiterarbeiten auf Dauer befeuern, sondern solche, die einen in erschreckend widerspr\u00fcchliche Richtungen sto\u00dfen: so wie ein gewisses Kr\u00e4useln des Wasser erst dann zu sp\u00fcren ist, wenn man gegen den Strom schwimmt. Und doch kennt jede Aktion eine gleichgerichtete wie eine entgegengesetzte Reaktion. Hier gibt es noch keine \u201esp\u00e4te Schaffensperiode\u201c (obwohl man dar\u00fcber spekulieren darf, wie eine solche f\u00fcr Tsao aussehen k\u00f6nnte), sondern vielmehr eine Affinit\u00e4t zu \u201eSp\u00e4tstil\u201c im Allgemeinen, eine nerv\u00f6se Erregung bez\u00fcglich dieses Konzepts. Wie lie\u00dfe es sich anwenden als eine \u00e4sthetische Kategorie, die in Angriff genommen werden m\u00f6chte, die nach Verb\u00fcndeten sucht? Die Energien, die das Werk in Richtung einer Vers\u00f6hnung und Erl\u00f6sung treiben w\u00fcrden, werden in Schach gehalten von dieser rastlosen Ruhe und schlie\u00dflich von einer beinahe explizit unterminierenden Deflation und Versenkung, die am Ende des St\u00fcckes steht. Dem gegen\u00fcber stehen Momente von delikater Sch\u00f6nheit und Verhei\u00dfung, wie sie Tsaos Werk bis dahin noch nicht kannte, in keinerlei Widerspruch. Die Geschichte f\u00fcr sich zu beanspruchen hei\u00dft eben nicht zuletzt, an Bord zu gehen, obwohl man wei\u00df, dass das Schiff untergehen wird. Darauf zu beharren, an Bord zu gehen, bedeutet, dass man einen Standpunkt einnimmt.<br \/>\nSteven Takasugi<\/p>\n<p>Link: <a href=\"https:\/\/www.wisemusicclassical.com\/work\/69155\/Uncover--Ming-Tsao\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.wisemusicclassical.com\/work\/69155\/Uncover&#8211;Ming-Tsao\/<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2008 Titel: (Un)cover Instrumentation: Trompete, Posaune, Gitarre, Klavier, Violoncello und Schlagzeug Jahr: 2008 Dauer: ca. 9 Min. Urauff\u00fchrung: Donaueschinger Musiktage 2008 Interpreten: Ensemble Ascolta Your browser does not support the audio element. (Un)cover (Auszug) Actioni contrariam et aequalem esse reactionem. F\u00fcr jede Aktion gibt es eine gleichgerichtete und eine entgegengesetzte Reaktion. 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