Ming Tsao, Canon a 3 (2014)

Der Komponist Ming Tsao schafft aus einer Fokussierung auf die inhärenten Qualitäten von Klängen heraus – in seinen eigenen Worten ihre „Materialität“ – Musik mit einer ganz eigenen Sinnlichkeit. Mit seinem hoch präzisen Kompositionsstil, der von extremer formaler Strenge geprägt ist, entwirft er eine neue Konzeption für das Lyrische in der Musik unserer Zeit: Sie umfasst Brüche und vielfältige Perspektivwechsel, die unsere moderne Erfahrung hinterfragen.

Viele Werke Ming Tsaos entspringen gleichermaßen seiner kritischen und tiefgründigen Analyse westlicher klassischer Traditionen und seiner Verbundenheit mit traditioneller chinesischer Musik. Das Format, in dem er diese Interessen zusammenführt, ist immer öfter die Oper. Aus zwei separaten Werken besteht seine zweiaktige Kammeroper Prospero’s Garden: Das von der Staatsoper Stuttgart in Auftrag gegeben Werk Die Geisterinsel ist eine Überarbeitung von Johann Rudolph Zumsteegs gleichnamiger Oper über Shakespeares Drama Der Sturm. Mirandas Atemwende, in Berlin uraufgeführt, nimmt Schönbergs Erwartung als Ausgangspunkt einer expressionistischen Erkundung des Charakters. Aktuell komponiert Ming Tsao ein großformatiges Musiktheaterwerk, das die bedeutendste Kunqu Oper aus der chinesischen Ming Dynastie, Mudan Ting (Der Pfingstrosen-Pavillon​), neu erfindet, und das 2026 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wird.

Ming Tsaos Werke wurden von Ensembles wie dem Arditti Quartet, dem ELISION Ensemble, dem Ensemble ascolta, dem ensemble recherche, dem Ensemble KNM Berlin und dem Ensemble SurPlus auf Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen, MaerzMusik Berlin, den Darmstädter Ferienkursen, Wien Modern und den Wittener Tagen für neue Kammermusik aus der Taufe gehoben. In den letzten Jahren kamen unter anderem zwei Werke für großes Ensemble zur Uraufführung: Refuse Collection, eine Reaktion auf das Oeuvre des französischen Filmemacher-Paars Straub-Huillet, sowie Plus Minus, die erste vollständige Umsetzung von Stockhausens gleichnamiger offener Komposition. Im Mai 2022 brachte das Ensemble Musikfabrik unter Emilio Pomàrico in Köln die Triode Variations zur Uraufführung, ein circa halbstündiges Stück für 18 Instrumente, dessen Aufnahme 2023 auf dem Label Kairos erschien. Eine zweite Umsetzung von Stockhausens Plus Minus mit dem Titel Plus or Minus wird an den Wittener Tagen für neue Kammermusik 2025 mit dem GrauSchumacher Duo und dem Experimentalstudio Freiburg uraufgeführt. Ein abendfüllendes Porträtkonzert mit vielen von Tsaos Kammermusik wird 2025 in Mannheim präsentiert werden.

Ming Tsao wurde in Berkeley, Kalifornien geboren. Sein Vater wanderte aus China, die Eltern seiner Mutter aus Österreich. Er lernte Violine und Bratsche, bevor er nach China reiste, um in Suzhou bei dem berühmten Virtuosen Wu Zhao-ji das Spiel auf der bundlosen chinesischen Griffbrettzither Guqin zu studieren. An seine Studien in Komposition am Berklee College of Music in Boston und in Ethnomusikologie an der Columbia University in New York schloss er ein Studium der Logik, Philosophie und Mathematik an. Seinen Ph.D. in Komposition erwarb er an der University of California in San Diego als Schüler von Chaya Czernowin und er studierte privat mit Brian Ferneyhough. Nachdem war er Professor für Komposition an der Universität Göteborg und Gastprofessor für Komposition an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er hat ein Guggenheim-Stipendium in 2021 für Musikkomposition gewonnen. Im Jahr 2024 wurde er zum Birge-Cary-Professor für Musik an der University of Buffalo in New York ernannt.

Eine Auswahl seiner Werke findet sich auf der Porträt-CD Pathology of Syntax (Mode Records); beim Label Kairos Music sind zudem Aufnahmen von Die Geisterinsel, Plus Minus und Triode Variations erschienen. Eine fünfte CD wird 2025 unter dem Titel Plus or Minus bei dem Label Neos erscheinen. Verlegt werden seine Kompositionen von der Edition Peters.

Wir bitten Sie, diese Biografie unverändert abzudrucken. Auslassungen und Veränderungen sind nur nach Rücksprache mit dem Management Karsten Witt gestattet.


Ausbildung

Doktorat in Musik Komposition
University of California, San Diego

Masters in Mathematik
San Francisco State University

Masters in Musikethnologie
Columbia University, New York

Bachelors in Musik Komposition
Berklee College of Music, MA

Austauschstudent in Chinesische Musik
Suzhou University, China


Hauptmusiklehrer:

Musik Komposition: Chaya Czernowin, Brian Ferneyhough, Philippe Manoury
Elektronische Musikkomposition: Mario Davidovsky
Geige/Bratsche: Ron Erickson
E. Bass: Joe Satriani, Bruce Gertz
Guqin (Chinesische Zither): Wu Zhao-ji