One-Way Street

Titel: One-Way Street
Instrumentation: Klarinette, Oboe, Violine, Viola, Violoncello und Schlagzeug
Jahr: 2006
Dauer: ca. 15 Min.
Uraufführung: Darmstadt Ferienkurse für neue Musik 2006
Interpreten: ensemble recherche

One-Way Street 1b

One-Way Street (Ming Tsao, Edition Peters, mm. 134–137)

One-Way Street 2b

Einbahnstraße (Walter Benjamin, 1928)

One-Way Street 3

One-Way Street (Ming Tsao, Edition Peters, mm. 169–181)

One-Way Street 4b

The Man Who Shot Liberty Valence (John Ford, 1962)


One-Way Street (Auszug)


One-Way Street (Ende)

Tsaos Experiment mit der Zwangsläufigkeit von ungereimten, aber logisch jedoch determinierten Konsequenzen, entstammt seiner Beschäftigung mit dem Westernfilm-Genre, wobei der Titel auf das oftmals absehbare und unvermeidliche Straßen-Duell anspielt, die die Erzählung gerne abschließt. Ebenso kann man kaum der Anspielung auf Walter Benjamins Sammlung von Alltags-Beobachtungen mit dem Titel Einbahnstraße (One-Way Street) entgehen. Wir hören einen gebogenen Kleiderbügel, der auf einer Timpani erklingt, schreiend banale doppelte Glissandi auf dem Vibraphon, die dürftigen, kalten, mechanischen Klänge eines präparierten und klappernden Vibraphon-Motors (über zwei ganze Minuten): all dies sind leibhaftige akustische Fakten, die fern jeder Metapher nur von sich selbst sprechen. Das Alltägliche dringt in das Unbegreifliche ein und das Unbegreifliche in das Alltägliche, kraft einer dialektischen Optik, worin noch der Dunst, Nebel und Restbestände der romantischen und surrealistischen Ästhetisierung enthalten ist. Womöglich ist One-Way Street Tsaos unzweideutigste und extremste Studie darüber, wie der Straßen-Ingenieur in die Musik eindringt [Flagolette, Pedale, Bordune, Arpeggien] um herauszufinden, wie ein kompromissloser Grundsatz sich mit extremen Erscheinungsformen objektiver instrumentaler Produktion verbündet. Die vorgegebene Poetik von Tsaos ansonsten eher mehrdeutigem, beweglichem und allen Kategorien trotzendem Material sieht sich in diesem Werk herausgefordert durch seinen konzeptuellen und nüchternen Rahmen. Es ist das jugendlichste, rebellischste … respektloseste Werk des Komponisten, für das vielleicht das besagte Konzept des Western Paten stand.
Steven Takasugi

Link: edition-peters.de/works/one-way-street/139426